Route 66 with detours - eine Reise durch acht Bundesstaaten

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    • Route 66 with detours - eine Reise durch acht Bundesstaaten

      Liebe Forumsgemeinde,

      dann kündige ich mal hier den Reisebericht über unseren diesjährigen Roadtrip an. Wir waren wie in der Überschrift angekündigt in acht Bundesstaaten, sind ca. Zweidrittel der Strecke ausschließlich Landstraße gefahren und haben soviele Eindrücke gesammelt wie in keiner USA-Reise zuvor (und das sind bei mir so einige...)

      Muss noch ein bisschen Korrektur lesen, aber dann gehts los - mit über 400 Fotos...

      VG, Burkhard.
      Erste "Berührung" 1986 - häufig in den 90ern und seit 2015 wieder regelmäßig...

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    • So, dann fange ich mal an:


      Vorbemerkung
      Bereits während unserer letztjährigen Reise durch die Rocky Mountains fragte mich Kathy, ob wir denn auch einmal die Route 66 befahren könnten. Und so nahm die Idee eines reinen Roadtrips von Chicago nach LA immer mehr Gestalt an. Im Herbst wurde dann mit der Planung begonnen und ab Dezember ging es dann in die Umsetzung. Mit Hilfe eines sehr guten Reiseführers (Conrad Stein, USA: Route 66 – Der Weg ist das Ziel) und der ebenfalls sehr guten Webseite www.mymotherroad.de von Stefanie Müller wurde eine grobe Vorabplanung vorgenommen und im weiteren Verlauf immer mehr detailliert und verfeinert.

      Zunächst aber waren viele Fragen zu klären:
      Wann sollte es losgehen und wie lange sollte die Reise dauern?
      Wie sollte die Anreise erfolgen?
      Wie bekommen wir Besuche bei Freunden in den Zeitplan eingebunden?

      Der Zeitplan war relativ schnell erstellt. Um die Mietwagenkosten auf ein erträgliches Maß zu beschränken, wurde der reine Roadtrip auf drei Wochen festgelegt. Die erste Woche sollte uns von Chicago nach Platte City, MO führen, in der zweiten Woche sollte dann die Strecke von Platte City bis nach Tempe, AZ durchfahren werden. Die dritte Woche war dann für den Rest der Strecke bis nach Los Angeles vorgesehen. Jetzt werden einige sagen: „Aber Platte City und Tempe liegen ja gar nicht auf der Route 66!“ Richtig, aber in diesen beiden Städten leben Freunde von uns und die wollten wir auf unserer Tour auf jeden Fall besuchen. Da ist zum einen mein Freund Jim in Platte City, den ich 1985 in Norwegen kennengelernt habe und zum anderen meine ehemalige Kollegin Christine, die mittlerweile in Tempe lebt. So wurde aus der „Route-66-Tour“ die „Route 66 with detours“. Da wir die Besuche jeweils am Wochenende machen wollen, war die Zeitplanung daher auch schnell fix. An den Anfang haben wir dann noch drei Übernachtungen in Chicago gelegt, um Zeit für diese sehr schöne Stadt zu haben. Die Mietwagenübernahme sollte erst danach erfolgen. Also ergab sich ein Reiseplan mit Anreise an einem Mittwoch, Übernahme des Mietwagens am ersten Samstag und Abreise von LA am Freitag drei Wochen später mit Ankunft in Deutschland am Samstag (so hätte ich noch den Sonntag zuhause, bevor es wieder zur Arbeit ginge).

      Als nächstes musste dann geklärt werden, wie fliegen wir hin und welchen Mietwagen „gönnen“ wir uns. Letzteres Problem war relativ schnell gelöst. Da es sich um eine Einwegmiete handeln würde, musste der Aufpreis dafür in Kauf genommen werden und es musste nur noch der preiswerteste Vermieter gefunden werden. Das war dann nicht ganz so einfach, da im Dezember 2017 die Preise überall recht hoch waren. Zum Glück hatte ich aber noch einen 10%-Rabattgutschein von www.sunnycars.de, bei denen ich Stammkunde bin. Und da Anfang des Jahres dort plötzlich auch noch ein guter Preis im Buchungssystem auftauchte, habe ich relativ schnell zugeschlagen und einen Midsize-SUV gebucht. Vermieter war dann National – mit denen hatte ich bereits 2004 ganz gute Erfahrungen gemacht – das sollte dieses Jahr nicht anders sein.

      Vor der Mietwagenbuchung war aber noch das Problem der Anreise zu lösen. Durch die Insolvenz von Air Berlin und der damit verbundenen geringeren Konkurrenz auf den Nonstop-Routen von Deutschland in die USA hatte Lufthansa die Preise für ihre Flüge massiv angehoben. Hatten wir letztes Jahr noch 2.500 € pro Business-Ticket bezahlt, so sollten es dieses Jahr sage und schreibe 3.600 € sein. Nee, das ist entschieden zu teuer. Und Premium Economy war auch nicht wirklich günstiger. Was also tun? Die Nonstop-Geschichte war damit erledigt. Ein Umsteigen in den USA wollte ich nicht wirklich; das Risiko, den Anschlussflug zu verpassen, war mir zu hoch. Also musste ich eine Umsteigeverbindung in Europa suchen. Nach einiger Recherche bin ich dann eher durch Zufall auf SAS gestoßen. Ein Gabelflug von Frankfurt über Kopenhagen nach Chicago und zurück von LA über Stockholm für sagenhafte 1.950 € pro Ticket. Das war in der Buchungsklasse unschlagbar. Irritiert hat mich zwar schon zu Anfang die kurze Übergangszeit in Kopenhagen (ca. 1,5 Stunden), aber die Internet-Quellen berichteten alle über diesen Flughafen als „Flughafen der kurzen Umsteigezeiten“. Also fix gebucht und damit war die Anreise geregelt.

      Im Verlauf der nächsten Wochen wurde dann die Reiseplanung vertieft und ein endgültiger Zeitplan ausgearbeitet. Zwischenstationen wurden festgelegt und Übernachtungsmöglichkeiten ausgesucht – und auch vorgebucht. Ende Februar war soweit alles fix und wir mussten nur noch auf den Sommer warten. Einige Eintrittskarten für geplante Veranstaltungen habe ich dann auch noch vorgebucht – dazu mehr in den jeweiligen Reiseabschnittsberichten.

      So etwa fünf Wochen vor Reiseantritt gucke ich eher durch Zufall auf die Seite www.flightradar24.com, auf der online alle Flugbewegungen in Echtzeit dargestellt werden. Was eigentlich eher aus reiner Neugier geschieht, sorgt bei mir für massives Unbehagen – der Zubringerflug von Frankfurt nach Kopenhagen hat permanent Verspätung, und zwar heftig. An zwei von drei Tagen würden wir unseren Flug nach Chicago verpassen, da dieser offensichtlich nicht wartet. Warum die Maschine (ein LH-Flug) dauernd mit Verspätung aus Frankfurt abfliegt, erschließt sich mir nicht. Was also tun? Unsere Tickets sind zwar nicht stornierbar, können aber gegen eine Gebühr von 180€ pro Ticket umgebucht werden. Im SAS-Buchungssytem finde ich auch tatsächlich eine alternative Verbindung von Frankfurt über Stockholm nach Chicago mit längerer Aufenthaltszeit beim Umsteigen. Der Zubringer ab Frankfurt (diesmal ein SAS-Flug) hat auch in der Regel nur wenig Verspätung, so dass diese Verbindung die eindeutig bessere ist. Bei Buchung im Dezember war sie noch nicht vorhanden und Plätze sind auch noch frei. Also kurzerhand bei SAS angerufen und die Tickets umgebucht. Der freundliche Mitarbeiter erklärt mir, dass die neue Verbindung auch erst seit Februar angeboten wird und ich das im Dezember gar nicht buchen konnte. Eine Kröte muss ich allerdings schlucken. Da SAS auf Europastrecken keine Business Class anbietet, haben wir auf dem Flug nach Stockholm etwas weniger Platz – das nehme ich aber gerne in Kauf für die Gewissheit, den Flug nach Chicago nicht zu verpassen. Somit ist die Reiseplanung endgültig abgeschlossen. Geplant sind ca. 3.250 Meilen Fahrt durch acht Bundesstaaten bei einem Budget von knapp 13 k€.
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    • ...und damit auch ein paar Bilder mit reinkommen, hier der erste Tag:

      1. Tag: Anreise nach Chicago

      Um halb sechs morgens klingelt der Wecker – es geht wieder los. Eine Stunde später sind wir dann auf der Autobahn Richtung Frankfurt unterwegs. Da unser Zubringer nach Stockholm eine Stunde früher geht als ursprünglich geplant, ist auch die Abreise nach vorne verschoben. Gegen neun Uhr sind wir im Parkhaus. Diesmal werden wir von freundlichen Mitarbeitern der Flughafengesellschaft in die Parkebene hinein gewiesen und auch ein freier Platz, der für unser Auto ausreicht, wird uns gezeigt. Das vorgebuchte Parkticket funktioniert und so schlendern wir mitsamt unserem Gepäck Richtung Check-In. Diesen können wir bei Lufthansa machen, die die SAS-Flüge mit abfertigt.

      Dort geht es wie in den letzten Jahren schnell. An der Sicherheitskontrolle gibt es diesmal kein Chaos – Tablets raus aus den Rucksäcken und das war‘s auch schon. Nach zwei Minuten sind wir durch und begeben uns zur Lounge, wo wir die restliche Zeit bis zum Flug verbringen.

      Dort dürfen wir dann in Sitzreihe 2 Platz nehmen. Wie bereits erwähnt, bietet SAS auf Europaflügen keine Business Class an und da der Flug ausgebucht ist, nimmt auf dem dritten Platz neben uns auch ein weiterer Fluggast Platz. So sitzen wir quasi in Economy und der Sitzabstand ist auch nicht gerade der üppigste. Dafür werden wir mit einem etwas seltsam anmutenden skandinavischen Snack „entschädigt“. Kann man essen, muss man aber nicht. Zwei Stunden später landen wir pünktlich in Stockholm. Der Zubringer nach Kopenhagen wäre übrigens heute auch pünktlich gewesen, aber das konnte man vorher nicht wissen.

      In Stockholm gehen wir erst einmal durch das komplette Terminal. Die Lounge befindet sich am anderen Ende – und ist total voll. Wir organisieren uns zwei Plätze an einem runden Tisch und verbringen die Wartezeit dort. Gemütlich ist anders, da sind wir aus Frankfurt Besseres gewöhnt. Hoffentlich ist es auf dem Rückflug leerer, da haben wir schließlich auch knapp drei Stunden zu überbrücken.

      Rechtzeitig verlassen wir die Lounge und begeben uns wieder durch das komplette Terminal hindurch zur Grenzkontrolle (Schweden ist „Schengen-Land“, also findet hier unsere Ausreise statt). Danach geht es zum Gate und wir können pünktlich einsteigen. Unsere Plätze sind vorne in der Maschine, einem Airbus A330-300. SAS hat im Gegensatz zu anderen Gesellschaften eine 1-2-1 Bestuhlung. Dadurch haben wir Einzelsitze am Fenster hintereinander. Das ist recht angenehm und auch die Betreuung durch die Flugbegleiter ist optimal – vier Leute für 32 Fluggäste. Neben dem üblichen Service bietet SAS auch eine kleine Bar in der Business Class an, wo sich jeder nach Bedarf mit Getränken und Snacks versorgen kann. Zusätzlich kommen die Flugbegleiter auch noch regelmäßig mit Getränken am Sitz vorbei. Das Essen ist in Ordnung, man merkt die skandinavische Küche. Ist vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack, aber mal was anderes. Zu Beginn gönne ich mir aber auf jeden Fall den obligatorischen „Transatlantikdrink“, einen Gin Tonic.

      Wir starten pünktlich, und da die Maschine zwei Kameras an Bord hat, kann man den Start live auf dem Monitor verfolgen. Nach einem ruhigen Flug landen wir dann überpünktlich um kurz nach 18:30 Ortszeit auf dem Flughafen O’Hare in Chicago. Dieser hieß früher übrigens „Orchard Place Airport“, daher auch die Kennung „ORD“.

      Wir gehen zur Grenzkontrolle. Dort dürfen wir wieder an die Automaten – das heißt, wir müssen wie letztes Jahr auch. Ich vergesse, beim Foto meine Brille abzunehmen, was mir einen Vermerk auf dem Beleg beschert, der dann dazu führt, dass der Officer mich bittet, die Prozedur bei ihm zu wiederholen. Ansonsten fragt er nur, wie lange wir bleiben werden und was wir vorhaben. Er stempelt die Pässe ab und wir sind das vierte Mal in drei Jahren in den USA. Unser Gepäck kommt relativ zügig auf dem Band an, der Zoll will nichts von uns und so können wir eine knappe Dreiviertelstunde nach dem Andocken bereits den Flughafen verlassen.

      Da wir noch keinen Mietwagen übernehmen, haben wir vor, mit dem „L“ (für: elevated train) in die Stadt zu fahren. Zunächst bringt uns daher erst einmal ein Shuttlebus vom Terminal 5 zum Terminal 2, wo der Zugang zur Stadtbahn ist. Wir ziehen zwei Drei-Tages-Tickets zum Preis von je zwanzig Dollar aus dem Automaten und begeben uns zur „Blue Line“. In knapp einer Dreiviertelstunde bringt diese uns in die Innenstadt zur Haltestelle „Clark/Lake“. Von dort sind es noch fünf Blocks bis zu unserem ersten Hotel, den Comfort Suites Michigan Avenue. Bei der Recherche nach einem bezahlbaren Hotel in der Innenstadt von Chicago war dieses vom Preis-/Leistungsverhältnis her das Beste. Wir kommen gegen acht Uhr an und beziehen ein Zimmer in der fünften Etage mit Blick auf die Michigan Avenue. Doch was heißt „Zimmer“, immerhin handelt es sich ja um Suiten, und so haben wir neben einem großen Raum auch eine kleine Pantry-Küche zur Verfügung. Wir ruhen uns kurz aus und versorgen uns dann in einem nahe gelegenen Seven-Eleven-Shop mit ersten Getränken und einem kleinen Snack für den Abend. Für mehr haben wir keine Lust, da wir jetzt bereits seit zwanzig Stunden unterwegs und hundemüde sind. Gegen halb zehn fallen wir ins Bett und schlafen relativ schnell ein.
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    • Die Anreise in der BC ist ja immer gut. Das kommt man doch normal auch ausgeruhter an.

      In Chicago waren wir "neulich" in Palmers House auch direkt Downtown fanden wir super und auch nicht so teuer.
      amazing-usa.de (die neue Webseite mit vielen Reiseberichten und 10000 Fotos aus 40 Staaten)
      mymotherroad.de (Die Route 66)
      motivefactory.com (Bilder von Überall)
      super-hd.de (Das Videoportal)
    • stefunny schrieb:

      Die Anreise in der BC ist ja immer gut. Das kommt man doch normal auch ausgeruhter an.

      In Chicago waren wir "neulich" in Palmers House auch direkt Downtown fanden wir super und auch nicht so teuer.
      @BC: absolut!
      @Palmers House: Hatte ich gecheckt, war aber leider zu heftig, was den Preis angeht. Die wollten an dem Termin knapp 270 pro Nacht, warum auch immer...
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    • Wir waren in Chicago ja im Kimpton direkt am Fluss. Wenn ich mir die aktuellen Preise so anschaue, dann ist das schon echt heftig. Bei uns war es zwar teuer aber noch erträglich.

      Ansonsten hätten wir das Glück, dass uns ein Bekannter am Airport abgeholt hatte, was wirklich bequem war!

      Die BC Tickets hatten ja tatsächlich einen guten Preis. Mir wäre es aber irgendwie trotzdem zu teuer. Ich hatte gedacht, die habt ihr mit Meilen gebucht als du das Bild gepostet hattest. Sitze und Bildschirme sehen aber auf jeden Fall gut aus!
    • Bosley schrieb:

      Wir waren in Chicago ja im Kimpton direkt am Fluss. Wenn ich mir die aktuellen Preise so anschaue, dann ist das schon echt heftig. Bei uns war es zwar teuer aber noch erträglich.

      Die BC Tickets hatten ja tatsächlich einen guten Preis. Mir wäre es aber irgendwie trotzdem zu teuer. Ich hatte gedacht, die habt ihr mit Meilen gebucht als du das Bild gepostet hattest. Sitze und Bildschirme sehen aber auf jeden Fall gut aus!
      Tja, Chicago ist mittlerweile schon echt heftig, was die Hotelpreise angeht. Da kenne ich auch andere Zeiten...

      Was die BC-Ticketpreise angeht: ich bin jetzt bei 110k-Meilen seit den drei Frei-Tickets in 2015. So wirklich schnell geht das nicht wirklich, trotz M&M-CreditCard...

      Die neuen Sitze in der SAS-BC sind klasse, da kann sich LH mal was von abgucken...
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    • 2. Tag: Sightseeing in Chicago – Teil 1

      Am nächsten Morgen werden wir trotz Jetlag relativ spät wach, so gegen sechs Uhr. Wir frühstücken im Hotel und gehen danach nach draußen. Es ist noch relativ kühl, aber bereits sehr sonnig. Wir spazieren auf der Michigan Avenue zur Brücke über den Chicago River, die zwei Blocks entfernt ist. Dort wollen wir unsere erste Tagesunternehmung starten.

      An der Brücke sind einige Bootsunternehmer, die Rundfahrten auf dem Fluss und dem Michigansee anbieten. Bei dem schönen Wetter und dem aktuellen Sonnenstand im Osten die ideale Zeit, eine solche Rundfahrt zu unternehmen. Wir gehen über die Brücke und werden dahinter sofort von einem Mitarbeiter der Firma „Wendella“ angesprochen, der nicht ahnt, dass wir die Fahrt auf jeden Fall machen werden. Wir lassen uns also ausführlich die Vorzüge der Tour erklären und nehmen auch mit, dass das Ticket für die Tour auch eine kostenlose Fahrt mit dem Wassertaxi beinhaltet. Danach holen wir uns Tickets für die erste Rundfahrt um zehn Uhr. Wir haben noch etwas Zeit und nutzen die für einen Getränkeeinkauf im Walgreen’s im Wrigley Building sowie einem Blick auf den Trump Tower, dem mittlerweile zweithöchsten Gebäude in Chicago.



      Danach geht es aufs Boot – wir haben die große Rundfahrt mit Fluss und See gebucht. Es gibt auch noch eine kleine Fahrt, die nur über den Fluss geht und sich im Wesentlichen mit den Gebäuden der Innenstadt beschäftigt.

      Wir suchen uns einen guten Platz auf dem oberen Deck des Bootes und dann kommt auch bereits der „Tourguide“, der uns die nächsten eineinhalb Stunden so Einiges erzählen wird. Die Fahrt geht zunächst über den Chicago River bis ungefähr zum Willis Tower, dem höchsten Gebäude der Stadt. Früher hieß das Gebäude einmal Sears Tower, als die gleichnamige Kaufhauskette dort noch ihren Sitz hatte. Unser Führer erzählt uns jede Menge Einzelheiten zu den bekanntesten Gebäudenund macht auch auf Besonderheiten einzelner Gebäude aufmerksam, so z.B. ist ein Haus aufgehängt und nicht aufgestellt; ein anderes wird nach oben hin breiter, weil das Baugrundstück nicht genügend Platz bot. Auch zu den schon etwas älteren Marina Towers mit ihrer auffälligen Architektur und dem integrierten Parkhaus kann er etwas berichten. Natürlich darf auch die Geschichte des großen Brandes im 19. Jahrhundert nicht fehlen. Dieser Brand war der eigentliche Auslöser für den Beginn der Hochhausarchitektur in Chicago, da der Baugrund für den Wiederaufbau äußerst knapp war und man daher nicht (wie in Los Angeles) in die Breite, sondern in die Höhe baute. Und da Chicago nicht wie LA in einem Erdbebengebiet liegt, war das auch mehr oder weniger problemlos möglich.





      Nach diesem Ausflug durch die Innenstadt geht es dann hinaus auf den See. Dazu durchfahren wir erst einmal eine Schleuse, die den Chicago River vom Lake Michigan trennt. Die Schleuse wurde Anfang des letzten Jahrhunderts im Rahmen der Errichtung des „Chicago Sanitary and Ship Canal“ gebaut. Mit Hilfe dieses Projektes wurde die Fließrichtung des Chicago Rivers umgekehrt. Er fließt jetzt nicht mehr in den See, sondern entnimmt Wasser (durch die Schleuse kontrolliert) aus dem See und „mündet“ jetzt in das Mississippi-Flusssystem. Da die Stadt Chicago ihre (mittlerweile geklärten) Abwässer in den Fluss leitet, führte die Umkehrung der Fließrichtung zur „Säuberung“ des Lake Michigan und zur „Verschmutzung“ des Mississippis, aus dem die Stadt St. Louis ihr Trinkwasser bezieht. Dies führte 1901 zu einer Klage des Staates Missouri gegen den Staat Illinois als Besitzer des Kanals, die aber vom obersten Gericht abschlägig beschieden wurde. Ein „running gag“ aus dieser Zeit ist jetzt, dass die Fa. Anheuser Busch in St. Louis das Wasser des Kanals angeblich in Flaschen abfüllt und als „Budweiser“ an die Leute in Chicago verkauft, wie unser Tourguide treffend zu berichten weiß. :)



      Nach Durchfahren der Schleuse geht es hinaus auf den See. Wir bewundern die Skyline von Chicago und schießen etliche Fotos, bevor es wieder zurück geht. Nach den erwähnten anderthalb Stunden sind wir wieder an der Anlegestelle.



      Von dort nehmen dann ein Wassertaxi, um zu unserem nächsten Tagesziel zu fahren: dem Willis Tower. Dort wollen wir auf das Skydeck, die Aussicht auf Chicago genießen. Für läppische 48$ dürfen wir auch hinauf – mit jeder Menge anderer Touristen. Oben ist es brechend voll, insbesondere die Glasbodenkanzeln an der Westseite sind total belagert. So sehen wir lediglich zu, ein paar vernünftige Aufnahmen hin zu bekommen und verlassen die Etage nach einer knappen halben Stunde wieder. Vielleicht wäre ein anderes Gebäude (Hancock Center) die bessere Wahl gewesen.



      Unten angekommen werden noch Souvenirs erstanden, insbesondere ein Cubs-Shirt im Hinblick auf den restlichen Tag. Danach noch ein schneller Imbiss im McD gegenüber und dann mit dem Bus zurück zum Hotel. Dort parken wir Rucksäcke und Kameras und ruhen uns bis zum nächsten Tagesordnungspunkt noch etwas aus.

      Im letzten Jahr wollte Kathy ja einen „Deckel“ haben, den wir im „Lids“ in Denver dann auch erstanden haben – eine Baseballcap der Chicago Cubs. Danach wollte sie auch immer mal ein Baseballspiel live sehen. Daher habe ich im Vorfeld der Reise bereits den Spielplan der MLB nach möglichen Terminen durchforstet. Ursprünglich war der Plan, in Kansas City mit Kathy und Jim zu einem Spiel der Royals zu gehen, aber die spielen an dem Wochenende unseres Besuchs auswärts in New York. Da passte es dann umso besser, dass an unserem ersten Tag die Chicago Cubs eine Serie von fünf Spielen gegen die rivalisierenden Cardinals aus St. Louis eröffnen. Also habe ich bereits vorher online Tickets gekauft und sie mir per Post zuschicken lassen, da das Spiel sehr wahrscheinlich ausverkauft sein wird oder man nur noch „schlechte“ Karten an der Kasse bekommt.

      Um vier Uhr machen wir uns mit dem „L“ auf den Weg zum altehrwürdigen Wrigley Field, dem zweitältesten Stadion der Liga. Dort ist es schon relativ voll, viele Cubs Fans laufen bereits vor dem Stadion herum, man sieht aber auch etliche Cardinals-Shirts. Auch wenn ich von „rivalisierend“ gesprochen habe – das ist nicht wie hier beim Fußball. Die Fans gehen nicht aufeinander los, nur weil der jeweilige andere dem gegnerischen Club anhängt. Das ist in den USA einfach nicht üblich. Man mag die andere Mannschaft zwar nicht, respektiert aber die Anhänger.

      Um sechs Uhr startet das Spiel – leider auch etwas anderes. Es zieht sich etwas zu und erste Regentropfen fallen. Das wird doch jetzt kein Dauerregen? Unsere Plätze liegen zwar überdacht, aber am Rand, so dass die Tropfen uns durchaus erreichen. Aber wir haben Glück und es bleibt bei ein paar Tropfen. Den Rest des Spiels bleibt es trocken. Das Spiel selbst ist hoch spannend. St. Louis geht relativ schnell 3:1 in Führung, bis im fünften Inning die Cubs das Spiel mit 5 Läufen zum 3:6 drehen. Anschließend geht es bis zum 5:7 im achten Inning hin und her, bis die Cubs am Ende dieses Durchgangs noch zwei Läufe zum 5:9 erreichen. St. Louis gelingt im letzten Inning nur noch ein Lauf und so gewinnen die Cubs ein spannendes Match 6:9. (Am nächsten Tag haben dann die Cardinals den Spieß umgedreht und bei strömendem Regen die Cubs mit 18:5 vom Feld geschickt. Die Serie entschieden die Cubs dann mit 3:2 Siegen.) Interessant war übrigens, dass die Cubs sage und schreibe sieben Pitcher „verschlissen“ haben!

      Das Spiel dauert dreieinhalb Stunden, danach verlassen wir das Stadion. Gegenüber ist ein McD, den wir für ein kurzes Abendessen aufsuchen. Mit dem „L“ geht es zurück zum Hotel und wir fallen müde gegen elf Uhr ins Bett.
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    • 3. Tag: Sightseeing in Chicago – Teil 2

      Heute wollen wir den Rest Chicagos erkunden. Nach dem Frühstück im Hotel nehmen wir den Bus und fahren zuerst zur „Bean“, so wird die Skulptur „Cloud Gate“ des Künstlers Anish Kapoor umgangssprachlich genannt. Seit dieses Kunstwerk 2006 für das Publikum freigegeben wurde, ist es ein absoluter Publikumsmagnet. Es ist praktisch nicht möglich, dass keine Menschen sich um das Kunstwerk herum befinden, also nimmt man das bei seinen Fotos in Kauf.



      Danach wird wieder der Bus bestiegen und wir fahren Richtung Süden, dem Shedd Aquarium entgegen. Dieses habe ich noch aus früheren Besuchen sehr gut in Erinnerung. Als wir aussteigen, hat es sich total zugezogen und plötzlich ist Chicago nicht mehr die „Windy“, sondern die „Rainy City“. Es fängt an zu gießen, und wir beeilen uns, ins Trockene zu kommen. An den Kassen ist eine lange Schlange und wir ahnen nichts Gutes. Es dauert auch ziemlich lange, bis wir an unsere Tickets kommen. Was ich einfach nicht verstehen will, warum einige Touristen an den Kassen alles Mögliche und andauernd diskutieren müssen – man kann doch einfach Tickets kaufen und rein gehen. Bei uns hat’s jedenfalls nur zwei Minuten gedauert.

      Im Aquarium ist es brechend voll, viele Familien mit überwiegend kleinen Kindern. Da bleibt es natürlich nicht aus, dass es entsprechend laut und hektisch ist. Wir sind etwas genervt, da man dadurch nicht wirklich Muße hat, die doch sehr tollen Exponate in Ruhe zu betrachten. Wir rennen also eher durch und besuchen noch die kleine Delfinshow, die im großen Becken vorgeführt wird. Danach verlassen wir das Aquarium nach zwei Stunden Aufenthalt wieder.



      Es nieselt zwar noch etwas, der Regen scheint aber bald aufzuhören. Also gehen wir zurück zur Bushaltestelle und fahren zurück Richtung Innenstadt. Da es schon früher Nachmittag ist, machen wir aber nicht mehr viel. Ich zeige Kathy noch das James R. Thompson Center, welches früher State of Illinois Center hieß. Es beherbergt Verwaltungsbüros des Staates Illinois und ist quasi das „zweite Capitol“ des Staates. Beeindruckt hat mich seit meinem ersten Besuch die imposante Architektur mit dem riesigen Freiraum im Inneren des Gebäudes. Außerdem sind dort einige Szenen des Filmes „Running Scared“ (dt. „Diese zwei sind nicht zu fassen“) mit Gregory Hines und Billy Crystal gedreht worden. Diesen Film habe ich mit Jim während meines ersten Besuchs in Chicago im Jahre 1986 gesehen.




      Im Thompson Center gibt es im Untergeschoss einen Foodcourt, den wir für einen Snack nutzen. Danach geht es zurück zum Hotel, etwas ausruhen. Meine Knie haben den Besuch im Aquarium nicht unbeschadet überstanden und so bin ich froh, sie auf dem Hotelzimmer zu „beruhigen“.

      Die Zeit nutzen wir dann noch, um ein akzeptables Restaurant zu finden. Wir gucken bei Google Maps nach und finden nahe der Magnificent Mile einen Mexikaner: „Su Casa“. Ich hoffe, der Name ist nicht Programm und es ist genau so schlecht wie das Restaurant gleichen Namens letztes Jahr in Salt Lake City, die Bewertungen lassen aber auf Besseres hoffen. Also beschließen wir, den Bus in die nördliche Innenstadt zu nehmen und dort zu Abend zu essen. Als wir aufbrechen wollen, fällt mir siedend heiß der eigentlich Zweck unserer Reise ein: die Route 66! Wie konnten wir das nur vergessen. Wir müssen ja noch zum „Begin of route“-Sign an der Ecke Adams/Wabash. Also erst den anderen Bus in die südliche Richtung genommen und schnell mit dem Handy ein paar Fotos gemacht. Danach wieder in den Bus und auf zur Magnificent Mile. Dort steigen wir aus und gucken uns auf der Einkaufsstraße ein bisschen um. Danach geht es zur Ontario Street, wo sich der Mexikaner befindet. Das Essen ist lecker und ich kann das Lokal durchaus empfehlen. Kathy hatte einen Beef Burrito (und nicht Fajitas wie sonst immer) und ich (wie fast immer) eine „Combination Plate“. Danach geht es nur noch zurück ins Hotel. Morgen ist der erste Tag „on the road“…

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    • Chicago ist echt eine tolle Stadt - hat uns gut gefallen.

      Tolle Rundfahrt mit dem Boot vor allem wenn es auf den See geht - müssen wir denn auch mal machen.

      Wenn man früh genug an der Bean ist bekommt man sie noch Menschenleer. :-)

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    • stefunny schrieb:

      Chicago ist echt eine tolle Stadt - hat uns gut gefallen.

      Tolle Rundfahrt mit dem Boot vor allem wenn es auf den See geht - müssen wir denn auch mal machen.

      Wenn man früh genug an der Bean ist bekommt man sie noch Menschenleer. :-)

      Dann kann es ja losgehen bin bereit für die 66
      Absolut. Mir gefällt Chicago auch deutlich besser als NYC...
      Die Bootstour kann ich wirklich jedem empfehlen. Hab die jetzt - glaube ich - zum fünften oder sechsten Mal gemacht. Bei schönem Wetter ist das immer ein Erlebnis.
      Morgen gehts dann auf die 66 - Joliet is waiting...
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