Twenty-two years ago...

    • Australien war ich leider noch nicht. Interessiert mich zwar auch sehr, aber ist eben auch ein ganzes Stückchen weg.

      Aber bei 20-25 Jahren ist eine solche Veränderung ja noch irgendwo nachvollziehbar. Beim Südwesten habe ich so ein wenig das Gefühl, dass innerhalb der letzten - vielleicht 10 Jahre oder weniger - schon extrem viel passiert ist. Mein erster Besuch ist keine 6 Jahre her.
      Klar sehe ich auch, dass scheinbar schon in den Jahren davor massive Veränderungen im Gange waren, die nur ich noch nicht mitbekommen habe - allein wenn ich jetzt die Veränderung in Las Vegas sehe.
    • Tag 12 Zwischen Berg und tiefen Tal

      Es war eine Wohltat wieder einmal in einem richtigen Bett zu schlafen... ohne Wecker ist es auch schon neun Uhr durch ehe wir erwachen. Frühstück gibt es natürlich keins, nur Kaffee und ein paar Kekse... der Kaffee schmeckt nicht besonders ist aber nötig um den wiederlich süßen Geschmack der Kekse aus dem Mund zu bekommen.
      Also müssen wir uns unterwegs was suchen... schon ein paar Blocks weiter werden wir fündig - in der Tankstelle, eigentlich wollten wir nur tanken und etwas Knabberzeug für unterwegs besorgen aber dann haben wir eine kleine Frühstücksecke entdeckt und konnten nicht wiederstehen. Hier gibt es sogar einen voll besetzten Stammtisch! Echt gemütlich und das Omlett was wir uns bestellt haben ist richtig lecker. Und weil es hier so heimelich ist vergessen wir glatt jedes Zeitgefühl und so ist es schon mitten am Tag als wir endlich Las Vegas verlassen... gleich hinter der Stadtgrenze beginnt die Wüste und schon bald liegt der ganze Trubel hinter uns und wir erfreuen uns an den Bergen, vereinzelten Joshua Bäumen und den chromglänzenden Trucks. Heute ist Mike mit fahren dran und ich bin für Navigation und Unterhaltung zuständig, was bedeutet immer einen Blick auf der Karte und ein Ohr am Radio zu haben.
      Gegen Nachmittag cruisen wir gemütlich durch das Tal des Todes, halten ab und zu und treffen so viel Biker wie den ganzen Urlaub noch nicht, fast alle sind mit Harleys unterwegs... echt cool auf der einen Seite die schon fast unheimliche Stille und dann immer wieder das tiefe blubbern der Motorräder... Und dann ist da auch wieder dieses Quitschen in jeder engeren Kurve.
      Alles was wir anfangs bergab gefahren sind müssen wir nun wieder hoch und da der Tempomat in den Kurven stresst fliegt er raus, so fahren wir gleich viel entspannter in Richtung Berge.
      Es ist schon erstaunlich, dass hier der tiefste Punkt so nah an den Viertausendern liegt. Ein paar Meilen hinter Lone Pine beginnt es zu regnen und so beschließen wir uns wieder ein Motel zu suchen... mit einbrechender Dunkelheit erreichen wir Bishop und finden auch gleich ein Motel an der Hauptstraße. Schon wieder duschen, wenn das mal nicht zur Gewohnheit wird... Später sitzen wir dann noch dick eingemummelt auf der kleinen überdachten Terasse mit einer Marlboro Light und einem Büchsenbier... auch der Motelbesitzer gesellt sich zu uns, er nimmt uns auch gleich die Hoffnung auf schöneres Wetter. Ein echt uriger Typ mit Bart, er empfiehlt uns noch einen Laden wo man gut frühstücken kann und verabschiedet sich dann...
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    • Tag 13 Regen, Schnee und keinen Plan

      Der Wecker, so ein Teil mit zwei großen Klingeln oben drauf reißt mich/ums aus den Träumen... Mike ist auch gleich grillig deswegen... was für ein Spaß und es ist auch schon neun also höchste Zeit! Ok, heut ist Sonntag und wir haben Urlaub - ja und genau aus diesem Grund höchste Zeit sich auf den Weg zu machen.
      Wir beladen unseren Straßenkreuzer und schon sind wir on the road... die Wolken hängen tief und es dauert nicht lange bis die ersten Tropfen auf unsere Scheibe prasseln, hat der bärtige Typ doch recht behalten.
      Bei dem Sonntagstwetter sind wir weit und breit die einzigen auf der Straße und langsam knurrt der Magen... als wir nach einer gefühlten Ewigkeit in Lee Vining einfahren erblicken wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Restaurant... also Blinker gesetzt und rein in den Laden. Oh man riecht das hier drinnen lecker! Wir müssen ein wenig warten bis man uns platziert und kaum das wir sitzen gibt's auch schon einen Pott Kaffee... ganz schön was los hier, man könnt fast meinen hier trifft sich der ganze Ort. Unsere Bedienung ist eine flotte ältere Dame und so dauert es auch gar nicht lange bis sie mit einem prall gefüllten Tablett an unseren Tisch gesaust kommt... das Omlett ist einsame Spitze, auch die Panecakes mit dem warmen Ahornsirup... so wie bei Muttern nur anders.
      Satt und guter Dinge verlassen wir den kleinen Ort. Unser heutiges Ziel ist der Yosemite National Park und um dahin zu kommen geht es nun über die Berge... aber was ist das? Eine Schranke bzw. Tor versperrt die Straße! Die Straße ist wegen Schnee gesperrt... obwohl sie zumindest so weit man das sehen kann frei von Schnee und Eis ist geht es hier heute nicht weiter. Wir suchen in der Karte nach einer Alternative... Um es vorweg zu nehmen, wir haben noch mehr dieser Schilder "ROAD CLOSED" gesehen und sind nach schier endloser Odyssee auf dem I-80 gelandet. Hier ist so richtig was los - volle Spuren und alle rasen wie die bekloppten, uns bleibt gar nichts anderes übrig als im Srom mitzuschwimmen (was man in unserer Senfte bei Tempo achzig durchaus wörtlich nehmen darf).
      Und wer jetzt meint das schlimmste sei überstanden der irrt... Polizeikontrolle!
      Die stellt sich allerdings als harmlose Zollkontrolle heraus, und weil wir so unschuldig dreinschauen dürfen wir weiter fahren...die wollten nur wissen ob wir aus Reno kommen und den Rest hab ich erst später kapiert, nämlich das man nach Kalifornien kein Obst rein schmuggeln darf...
      Das waren dann aber auch genug Abenteuer für einen Tag, wir nehmen die nächste Abfahrt und suchen uns eine Bleibe... wir haben uns zwar kaum bewegt und sind meilenweit von unserer Route abgekommen aber trotzdem oder gerade deswegen ganz schön fertig.
      Wir sind übrigens in Roseville gelandet und wollen morgen dann versuchen das Regentief abzuschütteln.
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    • lunchen schrieb:

      Um Gottes Willen, da war die Laune an dem Tag bestimmt ordentlich im Keller. Wenn alle Pässe gesperrt sind, dann muss man ja wirklich ordentlich Umweg fahren und dann ohne Internet... Schwierig.
      ...ich glaube damals hat uns mehr das Wetter die Laune verdorben als der Umweg. Klar es lief nicht ganz nach Plan aber wir hatten jeden Tag mit Unwegbarkeiten zu kämpfen... und eigentlich war es ohne Internet auch ganz schön - anders schön, ich fand es viel überraschender und intensiver
    • Tag 14 Weiter Richtung Meer

      Seit Tagen regnet es, Straßen sind wegen Schnee gesperrt, wir schlafen nur noch in Motels obwohl wir ein Zelt dabei haben... irgendwie haben wir uns das alles anders vorgestellt!
      Die nette Dame vom Motel zeigt uns auf einer Karte wo überall mit Regen zu rechnen ist... die Gegend rings um den Yosemite ist genauso betroffen wie Sanfran, ja ganz Kalifornien wird von einem riesigen Regengebiet zugeschüttet... und laut dem Wetterbericht bleibt das auch für die nächsten Tage so... nur der Süden und ein kleiner Zipfel an der Küste zu Oregon hin melden schöneres Wetter. Wir studieren also erst einmal die Karte und addieren fleißig die Meilen bis Eureka, denn dort wachsen ja bekanntlich die Mamutbäume in den Himmel... das ist doch ein schönes Ziel und auch nicht ganz so weit wie der Süden.
      Wir brauchen trotzdem fast den ganzen Tag da wir auf den vielen kurvigen Bergstraßen nur langsam voran kommen...
      Mittag gibt es wie so oft selbstgebauten Hot Dog, Kaffee und einen abendbrottellergroßen Cookie - echt lecker, das sieht man den Keksen gar nicht an.
      Wenig später scheint dann auch die Sonne durch die Wolken... am späten Nachmittag stehen wir dann auch schon am Pazifik, toll dieser Duft und das kreischen der Möven... ich weiß nicht wie Mike es findet aber ich liebe das Meer... ich kann natürlich nicht wieder stehen und plansche mit den Füßen durch die Wellen, mehr ist bei den Temperaturen allerdings nicht drin und so machen wir uns auf den Weg zu den Redwoods. Kurz bevor wir den dazugehörigen Nationalpark erreichen hüllt sich die Küste in Nebel... Prima, dass hat uns noch gefehlt! Trotz Nebel sehen wir entlang der Straße überall die riesigen Bäume bzw. die Stämme von denen, also halten wir gefühlt an jedem Baum um ihn zu umarmen (ok das geht natürlich nicht...)
      Als wir aus dem Wald raus fahren ist auch der Nebel wieder weg und wir bekommen sogar noch die Sonne zu sehen... und wenig später einen einen tollen Sonnenuntergang.
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    • Bernd schrieb:

      da gerade so schönes Wetter ist verbringen wir die meiste Zeit im Garten und dadurch finde ich keine Zeit hier weiter zu schreiben
      Das ist verständlich und da brauchst du dir auch keinen Kopf deswegen zu machen.

      Ich bin jetzt auch lieber an der frischen Luft :kappe: .
      Liebe Grüße

      Ilona

      "Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)

    • Tag 15 Neuer Tag Neues Glück

      So langsam haben wir uns daran gewöhnt in Motels zu schlafen, Hauptgrund ist natürlich das Wetter andererseits haben wir nach mittlerweile zwei Wochen USA aufgegeben jeden Cent zweimal umzudrehen. Und die kleinen privaten Motels (gibt es die heute überhaupt noch?) kosten auch nicht die Welt und wir sparen das Auf- und Abbauen... man könnte auch sagen wir sind zu echten Weicheiern mutiert... besser noch, das raue Abenteuerleben war noch nie so unser Ding, aber immer ein, zwei Tage kann man es sich schon geben.
      Nun aber zurück zur eigentlichen Tour.
      Als wir in unseren Bettchen erwachen steht die Sonne schon hoch am Himmel, jawohl es gibt sie noch! Hoch erfreut über den strahlend blauen Himmel machen wir uns zügig auf den Weg. Ab
      dem heutigen Tag geht es immer Richtung Süden... in den Redwoodwäldern halten wir auch heute immer mal wieder um die riesigen Bäume zu bestaunen, auch der Farn hier ist übermanns hoch... wir fühlen uns echt winzig. Und wär hätte es gedacht, hier blühen sogar einige Rhododendron Büsche!
      Ein echter Märchenwald eben und wir sind froh, dass er nicht komplett umgesägt worden ist... in den wenigen verschlafenen Siedlungen im Wald kann man natürlich auch allerlei Schnitzerreien kaufen... in einen Baumriesen haben die Amis eine Durchfahrt ausgesägt wo dann all die sensationssüchtigen Touristen mit ihren Autos durchfahren... tja und wir sind natürlich auch durch.
      Irgendwann zweigt dann die Number One Richtung Küste ab und wir fahren auf einer recht kurvigen und engen Straße durch einen nicht endenden Wald. Als wir endlich den Pazifik erreichen gibt es zur Belohnung was zu essen, obwohl wir noch eine volle Kühlbox an Bord haben zieht es uns in eine rustikale Burgerbraterei, welche wir beim tanken entdeckt haben... schmeckt lecker und ist auch gar nicht teuer.
      Am späten Nachmittag erinnert uns eine Werbetafel daran uns langsam nach einem geeigneten Übernachtungsplatz Ausschau zu halten. Und tatsächlich werden wir auch wenig später fündig - ein wirklich sehr schön gelegener Campground mit saftig grünen Wiesen und Schatten spendenden Bäumen, Picknicktischen, Pool und voll ausgestatteter Küche.
      Hier lässt es sich aushalten! Rucki Zucki steht das Zelt auf der mit Gänseblümchen übersäten Wiese, auch der Grill ist schnell in Betrieb und wir lassen es uns bei besten kalifornischen Frühsommerwetter gut gehen... endlich gibt es wieder ein richtiges Steak und selbst die Brötchen schmecken kurz angegrillt richtig gut. Da sind auch gleich die kühlen Regentage vergessen.
      Für ein Lagerfeuer sind wir dann allerdings zu müde...
      Also noch schnell mit dem Auto zum Waschraum, hier kann man für ein paar Quater Duschen. Dann geht's zurück und wir schnarchen auch gleich ein.
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    • Bernd schrieb:

      Und die kleinen privaten Motels (gibt es die heute überhaupt noch?)
      Kommt darauf an, was du unter klein verstehst. Aber die gibt es noch.

      Ich denke da an das Circle D in Escalante oder das Inca Inn in Moab.

      Bernd schrieb:

      besser noch, das raue Abenteuerleben war noch nie so unser Ding, aber immer ein, zwei Tage kann man es sich schon geben.
      Ja, so 2 Tage sind mal ok, aber dann reicht's auch wieder ;) .
      Liebe Grüße

      Ilona

      "Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)

    • Ilona schrieb:

      Bernd schrieb:

      Und die kleinen privaten Motels (gibt es die heute überhaupt noch?)
      Kommt darauf an, was du unter klein verstehst. Aber die gibt es noch.
      Ich denke da an das Circle D in Escalante oder das Inca Inn in Moab.
      Als überzeugter Fan von privat geführten Motels kann ich da hinzufügen:
      Mountain View Lodge in Hill City, SD
      Yosemite Rose (B&B) in Groveland, CA
      Color Country Motel in Panguitch, UT
      Red Rock Motel in Page, AZ
      Kings Bay Lodge in Crystal River, FL
      Beach Shell Inn in Ft. myers Beach, FL
      Whispering Sands Motel in Hanksville, UT
      White Eagle Inn in Cortez, CO
      Flint Creek Inn in Arrow Rock, MO
      Blue Swallow Motel in Tucumcari, NM
      Globetrotter Lodge in Holbrook, AZ

      Und last bur not least mein all time favourite, das Alpine Motel in West Yellowstone, MT.

      Sofern ich es nicht schon gemacht habe, stelle ich nach unserer R66-Tour mal Reviews ein.

      VG, Burkhard.

      P.S.: schön, dass es hier weitergeht. Vielleicht mache ich so etwas auch noch von unserer Tour 1990 (Chicago-Denver-Grand Teton & Yellowstone-SLC-LV-Bryce-Zion-GC-Black Canyon-Denver) Dafür muss ich aber noch ein paar Dias einscannen - und das dauert...
      Erste "Berührung" 1986, danach etliche Male in den 90ern und seit 2015 wieder regelmäßig.
      Reisebericht 2015
      Reisebericht 2016
      Reisebericht 2017

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von burki ()